Was verstehen Zen-Mönche unter Achtsamkeit im Alltag?

Zen-Mönche verstehen unter Achtsamkeit eine Lehre und den Schlüssel zu einem erfüllten Leben im Hier und Jetzt. Um den Herausforderungen und Schwierigkeiten des Alltags gelassener begegnen zu können, treten sie durch tägliches Meditieren in eine innere Leere ein, die ihnen ein völliges Loslassen ermöglicht. Diesen Bewusstseinszustand erreichen sie durch gedankliche Konzentration auf den Moment. Ihr Geist und Handeln sind im Buddhismus verankert und auf Einfachheit, Zufriedenheit und Dankbarkeit ausgerichtet, damit sie das Leben zu allem und nichts führen kann.

Zen bedeutet gelebte Achtsamkeit im Alltag

Viele Menschen sind Zeit ihres Lebens auf der Suche nach Reichtum, Anerkennung und Liebe, ohne jemals etwas davon zu finden. Im Zen bedarf es keiner äußeren Formen. Darin sehen die spirituellen Meister eine Vergeudung von Lebensenergie und Lebensfreude. Für sie ist die andauernde Suche mit Erwartungen, Bewertungen, Ärger, Sorgen und Ängsten verbunden. Ein Festhalten blockiert ihrer Auffassung nach Gedanken und Weg, denn es löst weiteres Leiden aus.

Für Zen-Mönche gibt es keine Vergangenheit und Zukunft. Ihr Geist ist ausschließlich auf das Finden von Lösungen im gegenwärtigen Moment fokusiert. Darin sehen sie eine Quelle für inneren Frieden und einen achtsamen Umgang mit sich selbst und anderen. Um diese Stufe des Bewusstseins zu erlangen, sind tägliches Üben im Alltag, meditatives Sitzen (Zazen) und Gehen (Kinhin) hilfreich. Bei der Meditation und den Achtsamkeitsübungen beobachten die Praktizierenden ihren Atem, lassen Gedanken und Gefühle kommen und gehen. Ganz im Augenblick des Seins verliert das Gedankenkarussell langsam an Geschwindigkeit. Diese Bewusstwerdung soll helfen, Ereignisse besser zu verstehen, Gefühlen zu vertrauen und in bestimmten Lebenssituationen souveräner handeln zu können.

Der Buddhismus lehrt, dem Moment mehr Aufmerksamkeit zu schenken und in jedem Augenblick gegenwärtig zu sein. Besonders wichtig ist dabei die Konzentration auf eine Tätigkeit (Samu), die gerade zu verrichten ist. Wer spazieren geht, sollte spazieren gehen und dabei die Landschaft wahrnehmen. Beim Geschirr spülen ist nur bedeutsam, ob das Wasser kälter sein sollte oder das Spülmittel langsam zur Neige geht. Im Gespräch mit einem Menschen, ist der Gedankenaustausch wichtig, denn er kann Worte enthalten, die zur Lösung eines eigenen Problems beitragen. Diese Momente des Glücks gehen den meisten Menschen im Multitasking ihres Alltags verloren. Doch für Zen-Mönche ist es die Essenz des Lebens, die einen Weg lebendig und zufriedenstellend gestaltet.

Die Meditation ist im Buddhismus eng mit der Achtsamkeitspraxis im Alltag verbunden. Im Inneren einen Schritt zurückgehen, den Blick auf das Selbst richten, bei sich ankommen und in Achtsamkeit wieder einen Schritt nach vorne gehen, ist für Zen-Meister der Schlüssel für Zufriedenheit. Wer die Kontrolle über seine Gedanken gewinnt, muss nicht erst glücklich werden, sondern braucht nur glücklich zu sein. Dabei genügt es, die bisherige Einstellung zum Leben zu ändern, denn sie formt den Lebensweg. Sich dem Schönen zuzuwenden, den positiven Gedanken Einlass zu gewähren, Dankbarkeit zu zeigen und Zufriedenheit auszustrahlen, bedeutet wahres Glück. Achtung vor dem Leben, sparsamer Konsum, Großzügigkeit, Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein entwickeln sich daraus wie von selbst. Manchmal genügt es, sich etwas Zeit zu nehmen und darüber nachzudenken, was in diesem Moment ein „Danke!“ wert ist. Diese kleinen Rituale spenden Zuversicht und Freude für den nächsten Tag, an dem es erneut zu erspüren gilt, was das Leben erfüllt, bereichert und so kostbar sein lässt.

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