Was ist eigentlich Crowdfunding?

Crowdfunding ist grundsätzlich noch ein relativ neues Konzept, welches vor allem durch das Internet erheblichen Anschub erhalten hat. Mit Crowdfunding lassen sich Projekte, Produkte, Startups und vieles mehr finanzieren. Die Bandbreite reicht von Brunnen in Afrika über neue Alben unbekannter Musiker bis hin zur Recherche für investigativen Journalismus.

Das Besondere beim Crowdfunding ist, dass eine Vielzahl an Menschen (die „Crowd” (englisch für Menschen-Menge) genannt) ein Projekt finanziell unterstützt und somit mit ermöglicht. Die Idee hinter Crowdfunding ist also im Grund sehr einfach: Viele Menschen (crowd) finanzieren (fund) gemeinsam eine Idee oder ein Projekt. Oftmals noch junge Leute mit Ideen, die jedoch noch Geld brauchen, um diese umzusetzen, können das Internet somit nutzen, um sich das notwendige Geld zu beschaffen.

Alles dauert seine Zeit

Denn bis eine gute Idee in die Tat umgesetzt werden kann, dauert es seine Zeit. Wenn nicht ausreichend Rücklagen vorhanden sind und der Bank das Risiko zu hoch ist, geht es darum, Geldgeber zu finden. Wenn es gut läuft, ist Crowdfunding nicht nur eine Möglichkeit, das Geld zu bekommen, mit dem sich die Idee umsetzen lässt. Darüber hinaus lässt sich das allgemeine Interesse stärken und so Aufmerksamkeit beim Zielpublikum erregen. Im Deutschen wird auch seltener der Begriff „Schwarmfinanzierung” für Crowdfunding benutzt. Beim Crowdfunding geht es, neben dem finanziellen Aspekt, meistens auch um eine emotionale Beteiligung der Crowd am Projekt.

Klassischerweise werden Crowdfunding-Projekte dann über das Internet organisiert. Somit bestehen die Kapitalgeber aus einer Vielzahl an Internetnutzern. Zumeist gibt es eine im Vorfeld definierte Mindestsumme, die in einem vorher festlegten Zeitraum erreicht werden muss, damit das Projekt realisiert wird. Im Verhältnis zur Mindestkapitalmenge leistet jedes Mitglied der Masse (Crowdfunder) nur einen geringen finanziellen Anteil. Die Crowdfunder, also Geldgeber, können neben individuellen Beträgen auch bereits voreingestellte Summen auswählen. In der Regel veröffentlicht der Geldnehmer über diese Plattform eine weitgehend offene Ausschreibung, die sich an alle geschäftsfähigen Internetnutzer richtet; ohne Ein- oder Ausgrenzung möglicher Geldgeber. Ein weiteres kennzeichnendes Merkmal von Crowdfunding ist, dass durch Crowdfunding erzielte Gelder zweckgebunden an die jeweilige Aktion sind.

Allerdings ist für den Vorgang des Crowdfundings in Deutschland bislang keine spezifische gesetzliche Grundlage vorhanden. In den USA hingegen wurde mit der Unterzeichnung des JOBS Act durch Präsident Obama eine solche gesetzliche Grundlage geschaffen. Bei Crowdfunding gilt zudem das „Alles-oder-Nichts“-Prinzip: Wird die veranschlagte Summe von der Online-Community nicht erzielt, gibt es gar kein Geld für das Projekt. Deshalb zahlen die Geldgeber die Summe zunächst nicht, sondern verpflichten sich nur dazu.

Die verschiedenen Crowdfunding-Modelle

Es wird beim Crowdfunding zwischen vier verschiedenen Crowdfunding-Modellen unterschieden:

Klassisches Crowdfunding:
Die Unterstützer erhalten eine nicht-finanzielle Gegenleistung als Dankeschön. Oftmals ist dies eine Ausfertigung des Projektergebnis. Da es sich dann um eine Art Vorverkauf handelt, ist diese Form des Crowdfunding überdies als Test für das Marktpotential einer Idee geeignet.

Spenden Crowdfunding:
Die „Crowd“ erhält beim „Spenden Crowdfunding” keine Gegenleistung. Teilweise gibt es jedoch ideelle Gegenleistungen wie zum Beispiel eine öffentliche Danksagung.
Die Online-Spendensammlung ist anlassbezogen und hat meist ein festes Finanzierungsziel.

Crowdinvesting:
Die „Crowd“ wird hierbei finanziell am Projekterfolg beteiligt. Die Mikro-Investitionen haben eigenkapitalähnlichen Charakter.

Crowdlending:
Die Crowd vergibt über eine feste Laufzeit einen Kredit zu einem vereinbarten Zins. Bei dem Crowdkredit handelt es sich um Fremdkapital das eine Alternative zum klassischen Bankkredit darstellt.

Die Aufteilung in diese vier Crowdfunding Formen wird momentan häufig verwendet, deshalb ist es hilfreich, diese Begrifflichkeiten zu kennen. In der Praxis lassen sich Crowdfunding Plattformen und Projekte aber nicht immer eindeutig in eine dieser vier Schubladen stecken.

Kommen wir nun zu den Vorteilen von Crowdfunding. Zum einen kann Crowdfunding, wie unter dem Punkt des klassischen Crowdfundings schon angedeutet als Marktest für neue Ideen angesehen werden. Zudem werden etwaige Risiken durch „echte“ Marktvalidierung minimiert. Außerdem kann das Produkt durch direktes Feedback verbessert werden. Auch der Aufbau einer Crowd kann einen großen Vorteil bedeuten. Durch dieses Prinzip wird ein Dialog sowie die Bindung zum Kunden/ der Crowd ermöglicht. Die Crowd wird Teil des Projekts. Ein weiterer Vorteil von Projekten, die sich durch Crowdfunding finanzieren, ist, dass sie derzeit viel Aufmerksamkeit erlangen.

Durch gute Pressearbeit und soziale Medien im Internet kann zusätzliche Aufmerksamkeit für das Projekt geschaffen werden. Der nächste Vorteil liegt schon fast auf der Hand: Crowdfunding ermöglicht „günstiges“ Geld. Denn die Konditionen für das Geld von der Crowd sind oftmals besser als die klassischer Finanzierungswege, da Zwischenhändler ausgeschaltet werden. Außerdem ist der Einkauf bzw. die Produktion und der Cashflow durch planbare Absätze und die Vorfinanzierung gut planbar.

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